Lies und (p)lausch

Krimi- und Drehbuchautorin Jennifer B. Wind liest, talkt und rezensiert für mywoman.at

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Donnerstag, 05.11.2015, 18:48

Liebe Leser/innen,

heute stelle ich euch ein Buch vor, das sehr brisant und aktuell ist und vor wenigen Tagen bei CW Niemayer erschienen ist. Es geht um vorhersehbare Polizeiarbeit und digitale Überwachung. Es handelt sich um den neuen Thriller aus der Feder von Astrid Korten, die ich euch schon einmal vorgestellt und interviewt habe. Aufgrund des neuen Thrillers bat ich die Autorin noch einmal vor den Vorhang und stellte neue Fragen zu ihrem aktuellen Buch.

Astrid Korten wurde 1962 im niederländischen Heerlen geboren und lebt heute mit ihrer Familie in Essen. Sie studierte Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Leiden und Maastricht und arbeitete viele Jahre als Marketing- und Vertriebsleiterin und als Geschäftsführerin renommierter Firmen.

Ihre große Leidenschaft aber ist das Schreiben, das sie 2004 zu ihrem Beruf machte. Bei ihrer akribischen Recherche lässt sie sich von Forensikern, Psychologen, Gentechnologen, Pathologen und Mediziner beraten. Über ihr bevorzugtes Genre, die Spannung, sagt Astrid Korten: „Psychopathen faszinieren mich. Sie leben außerhalb der Norm und meinen, über dem Gesetz zu stehen. Meine Feder kann genau so furchtbar und gnadenlos böse sein.“



Ich habe ihren neuen Roman schon vor dem Erscheinungstermin lesen dürfen. Hier ist meine ganz persönliche Meinung zum Buch:


(Cover: ©CW Niemayer)


EISKALTE VERSCHWÖRUNG

„Nachdem wir jetzt wissen, dass wir millionenfach abgehört werden, ist es ein Gebot der Höflichkeit, neben dem Gesprächspartner auch die Mithörer zu begrüßen.“
(© Dr. Achim Reichert (*1941), Physiker, ehem. Hamburger Politiker)

„Die Wanze an der Wand ist die Laus im Pelz, die den Floh im Kopf abhört.“
(© Erhard Horst Bellermann (*1937), deutscher Bauingenieur, Dichter und Aphoristiker)


Eiskalt sind Astrid Kortens Bücher! Auch beim neuen Thriller geht es gleich im Prolog richtig gefühlskalt zu und wird mit Grausamkeiten nicht gegeizt. Am Beginn erleben die Leser den Mord an einer Frau mit aus der Sicht des Mörders Janus, einem Softwareentwickler (in Ich-Perspektive erzählt), der keine Skrupel kennt. Im Gegenteil. Er foltert langsam, beinahe poetisch, mit Hingabe, kostet das Spiel richtig aus. Dabei quält er sie nur bis zu einem gewissen Grad, damit sie nicht sofort sterben. Es erregt ihn, wenn die Frau sich vor Schmerzen windet. Der schnelle Tod befriedigt ihn nicht. Wie ein Künstler vollbringt er sein Werk und wie ein Künstler will er dafür bewundert werden...um gleich danach das nächste Opfer zu wählen.


Im Mittelpunkt des Thrillers steht jedoch die Neurologin und Psychiaterin Alexa Erbach, die an Diabetes leidet. Sie ist mit dem zynischen und nörgelnden Profiler Tom Diavelli verheiratet und hat mit ihm zusammen den siebenjährigen Sohn Josh. Ihr Vater Bardo hilft auch nach seiner Pensionierung als beratender Kriminologe aus.

Alexa wird von Frank Ponti von der Firma Neurotec angefordert. Sie soll die Projektleiterin des neuen Projekts CHIMÄRE werden. Chimäre ist eine Mind-Machine, die mit dem Polizeiprogramm Pre-Pol verknüpft die Verbrechen der Zukunft entdecken und bekämpfen soll. Im Gegensatz zu Predictive Policing alleine verspricht das Programm eine bessere und zuverlässigere Aussage. Bei Alexa bleibt hingegen ein mulmiges Gefühl zudem meint sie Frank Pontis Stimme schon einmal irgendwo gehört zu haben.

Dann erleidet ihr Vater einen Herzanfall, ab diesem Zeitpunkt bleibt in ihrem Leben nichts mehr wie es war und sie und ihre Familie geraten in große Gefahr.

Astrid Korten schreibt Bücher mit Bestsellergarantie, so wird der vorliegende Thriller sicher auch sprunghaft die Bestsellerlisten empor klettern.

Die Autorin hat einen Thriller der Sonderklasse verfasst, gewohnt qualitativ hochwertig. Ihr Schreibstil ist schnörkellos, detailreich, ihre Ausdrucksweise ist prägnant, teilweise poetisch und immer sehr ausgefeilt. Die Geschichte entwickelt von Anfang an einen unbeschreiblichen Sog, der den Leser wie ein Strudel in den Abgrund zieht.

Ihre Figuren agieren glaubhaft und authentisch. Die Charaktere sind wundervoll gezeichnet. Der Leser kann sich stets einfühlen, manchmal kippt man sogar zu sehr rein so mitreißend ist die Geschichte geschrieben, aus der es kein Entrinnen gibt.

Als Schauplätze fungieren unter anderem Berlin und Russland. Nach Angaben der Autorin sind die Idee zu diesem Thriller und der Mörder aus einer ihrer preisgekrönten Kurzgeschichten entstanden.

Astrid Korten ist auch bekannt dafür aktuelle Geschehnisse oder brisante Themen in ihre Thriller zu packen und darum einen stringenten Plot zu konstruieren. Im vorliegenden Roman hat die Autorin sich dem Thema Predictive Policing gewidmet und auch der Möglichkeit mittels Mind Machine tief in die Köpfe der Menschen zu dringen, um Taten und Gedanken auszuwerten und Zukünftiges vorherzusehen. Das ist längst keine Zukunftsmusik mehr.

Des Weiteren thematisiert die Autorin auch den Missbrauch der digitalen Überwachung mittels eigener Softwares und liefert somit jede Menge Diskussionsstoff, weit über die spannende Lektüre hinaus.

Die Autorin verwendet wieder mehrere Erzählperspektiven, die sie gekonnt miteinander verflicht. Alle münden am Ende in einen roten Faden. Korten führt den Leser auf eine gnadenlose Achterbahn, quält uns mit Gewaltdarstellungen, lockt mit falschen Fährten, überrascht mit unglaublichen Wendungen und sorgt für Herzklopfen bis zum fulminanten, nicht vorhersehbaren und wohldurchdachten Show-Down, nachdem man als Leser allerdings immer noch nicht aufatmen kann, sondern mit einem mulmigen Gefühl schlafen geht.

Wie viel in diesem Thriller ist noch Fiktion, wie viel ist Wirklichkeit? Wie wird unsere Vergangenheit unsere Zukunft beeinflussen? Sind wir überhaupt noch sicher in dieser Welt? Oder existieren von uns geheime Aufzeichnungen, die vielleicht schon bald gegen uns verwendet werden?

Auch bleiben einige Punkte in der Geschichte der Protagonisten am Schluss offen, was auf eine Fortsetzung mit Alexa Erbach hoffen lässt. Das Nachwort der Autorin bringt den Lesern interessante Fakten rund um die brisanten Themen nah.

Fazit: Hier schreibt eine Meisterin ihres Fachs. Astrid Kortens neuer Thriller „Eiskalte Verschwörung“ ist noch packender, grausamer, eindrücklicher und abgründiger als alle Bücher bisher. Ein eiskaltes und schockendes Leseerlebnis, das sibirische Temperaturen ins Wohnzimmer holt, die das Blut in den Adern gefrieren lassen. Ein Lese-Highlight für alle Thriller-Liebhaber und sicher einer der Top-Thriller des Jahres!



Meine anderen Rezensionen und drei Videos zu ihren vorherigen Büchern findet ihr hier: http://www.woman.at/mywoman/jbwind/20140108/


Ich habe der Autorin einige Fragen zu ihrem aktuellen Thriller gestellt. Viel Spaß beim Lesen.

Liebe Astrid, danke, dass du dir Zeit genommen hast, mir ein paar Fragen zu beantworten. Ich habe dich schon einmal interviewt. Die Leser/innen können dieses Interview hier nachlesen: http://www.woman.at/mywoman/jbwind/stories/842730/
Heute beziehe ich mich deshalb nur auf deine aktuellen Projekte.
Vor kurzem wurde dein neuer Thriller „Eiskalte Verschwörung“ im CW Niemeyer Verlag veröffentlicht. Wieder beginnt der Titel mit dem Wort eiskalt. Bleibt das ein Wiedererkennungsmerkmal?


Ich hatte einen anderen Titel bevorzugt, aber der Verlag hat anders entschieden. Und ja, „eiskalt“ und Astrid Korten sind in der Thriller-Welt ein Markenzeichen. Wer meine Thriller kennt, weiß, dass „eiskalt“ der Terminus für die Handlungen der Pro- und Antagonisten ist, aber nicht für den Thriller an sich. Die sind viel vielschichtiger als nur „eiskalt“. In meinem neuen Roman ist die Gewalt eine Metapher für den Missbrauch der digitalen Überwachung und seine Folgen, nicht nur für die Versehrung des Körpers. In „Eiskalte Verschwörung“ brütet ein Softwarespezialist im stillen Kämmerlein am Computer Böses aus – ohne jegliche Empfindung, leise, bedrohlich und mit verheerenden Folgen. Gewalt ist hier die Sprache der Sprachlosen. Ich zitiere jetzt mal die Kritik: „Um ihre Antagonisten noch furchteinflößender erscheinen zu lassen, evoziert Korten eine Ästhetik der Brutalität, die jedoch niemals als inflationäre Effekthascherei, sondern als behutsam dosiertes Stilmittel eingesetzt wird. Korten schafft somit eine beängstigende Atmosphäre kalter Sterilität, beherrscht aber gleichzeitig die Kunst, nicht emotionslos zu verbleiben.“
Das zum Terminus „eiskalt“. Aber ich kann auch anders. Im kommenden Jahr erscheint „Die verlorenen Zeilen der Liebe“ – ein zarter Liebesroman um eine Amour fou. Da lernen meine Leser mal eine ganz andere Seite von mir kennen.




Von dir ist man bereits gewöhnt, dass du brisante und nicht immer angenehme Themen wählst, die auch manchmal polarisieren. So auch im neuen. Das große Überthema ist Predictive Policing, also vorhersehende Polizeiarbeit. Wie bist du auf die Idee gekommen darüber einen Thriller zu schreiben?

Echt? Wird schon polarisiert? Dabei ist der Thriller doch erst vor einigen Tagen erschienen. Ich habe Eiskalte Verschwörung bereits vor zwei Jahren geschrieben und meine Agentin hat ihn vielen großen Verlagen angeboten. Aber es hieß immer – kein aktuelles Thema. Seit Snowdon änderte sich das schlagartig. Predictive Policing ist in „Eiskalte Verschwörung“ nur ein Aufhänger für die Geschichte um eine Kriminalistendynastie, die im Visier eines üblen Softwarespezialisten gerät. Es geht um Begriffe mit der Vorsilbe „Ver“ wie Verschwörung, Verrat, Verachtung, Verängstigen, Verheimlichen, Vernetzen, um nur einige zu nennen. Daher auch die Positionierung der Vorsilbe auf dem Cover.
Ein Freund von mir schreibt Polizeisoftware und wir haben oft über die digitale Überwachung diskutiert. Predictive policing: Polizisten sitzen vor dem Computer und können genau voraussagen, wo im Laufe des Tages Verbrechen geschehen werden, so wie Meteorologen das Wetter voraussagen. Per E-Mail schlägt das Windows-Programm automatisch Alarm, wenn irgendwo in der Stadt neue Einbrüche drohen. Ich habe mir die Frage gestellt, ob PrePol der Beginn einer Revolution in Sachen Polizeiarbeit sein könnte. In der Praxis liegt das System oft richtig, denn in Los Angeles, Zürich und Berlin wird die Software bereits mit Erfolg eingesetzt. Mir ging es in erster Linie darum, mal auf spannende Weise zu zeigen, was ein Missbrauch bewirken kann.



(Instagram Aktion beim Dotbooks Stand; Frankfurter Buchmesse 2015; ©Astrid Korten )


Das Thema ist mir zum ersten Mal in einem Film mit Tom Cruise aufgefallen, mittlerweile ist es nicht mehr allzu Sci-Fi-Mäßig sondern es sieht so aus, als könnte es wahr werden. Was denkst du?

Predictive Policing soll die Einbruchsraten senken. Das Programm hat nichts mit dem berühmten Blick in die Glaskugel zu tun. Es ist knallharte Kriminologie und Statistik, die menschliches Verhalten analysiert. Die Software-Entwickler betonen, dass keine personenbezogenen Daten verarbeitet werden. Stimmt das? Keine Ahnung. Die Unterlagen, die Edward Snowden der Welt präsentiert hat, beweisen den Missbrauch der digitalen Überwachung. Warum nicht auch bei einer Überwachungssoftware? Das Programm könnte auch die Standorte von Mobilfunknutzern und die Daten von Social Media oder anderen Quellen nutzen, obwohl das verständlicherweise abgestritten wird. Ich glaube, dazu bedarf es einer richterlichen Genehmigung. Aber wie heißt es in prekären Situationen: Gefahr im Verzug. Ich bin mir sicher, dass alles machbar ist. Einbrecher sind übrigens Gewohnheitstiere. Das mag für uns erstaunlich klingen, aber die Täter kehren häufig innerhalb weniger Tage an einen Tatort zurück. Menschen hinterlassen immer ein Muster. Egal ob sie „normal“ sind oder „kriminell “.

Außerdem geht es um die sogenannte Mindmachine, die im Buch in Verbindung mit den anderen Systemen genutzt wird. Hältst du es für denkbar, dass solche Systeme schon angewandt werden und wir einfach nichts darüber wissen?

Es gibt in der Werbeindustrie unzählige Studien in Sachen visuelle Beeinflussung. Geh heute ins Kino. Der Hauptdarsteller trinkt in einem spannenden Streifen nach einer brenzligen Situation immer eine Coke. In der Pause gehen viele Besucher an die Kino-Bar und trinken eine Coke. Zufall? Nein. Oder frag mal was 007 trinkt. Jeder weiß das: Martini, gerührt, nicht geschüttelt! Seit 007 verzeichnet Martini unglaubliche Zuwachsraten.
Die Mindmachine in „Eiskalte Verschwörung“ bedient sich ebenfalls der visuellen Beeinflussung. In Guantanamo wurde sie bei den Insassen während Schlaf/Wachphasen eingesetzt. Sie verursacht eine optische Täuschung, die auf die Nachbildwirkung auf der menschlichen Netzhaut zurückgeführt wird, während gleichzeitig Töne eingespielt werden. Diese Töne in Zusammenwirkung mit den Lichteffekten nehmen Einfluss auf den mentalen Zustand (Befindlichkeitsveränderungen und subjektive Wahrnehmungen, Epilepsie-Anfall). Unangenehm sind auch plötzliche Frequenzübergänge oder Störungen, die zu einer vorübergehenden Desorientierung und unkontrollierten Bewegungen (wie bei einer Szene im Buch) führen können. Die Mindmachine kann überall im Netz in Kleinformat bestellt werden. Sie wird als „Schlaf-Kick“ eingesetzt. Aber niemand kennt die möglichen Nebenwirkungen, die auch bei den kleinen Ausführungen auftreten können.


Wie hast du recherchiert, was war am Schwierigsten in der Vorbereitung zum Buch?

Es gab keine großen Schwierigkeiten. Ich habe den Roman – wie bereits erwähnt - vor zwei Jahren geschrieben und im März 2015 fertiggestellt. Recherchiert habe ich auch vor zwei Jahren. Durch meine frühere Tätigkeit als Unternehmerin habe ich das Glück, weltweit viele Menschen zu kennen, die in unterschiedlichen Branchen arbeiten. Andere wiederum lerne ich durch meinen Beruf als Autorin kennen. Recherche ist das A und O. Sonst wird das nichts mit einem Roman.

Die digitale Bewachung ist ebenfalls Thema. Sind wir nicht bereits alle gläserne Menschen?

Google-Chef Eric Schmidt drückte es so aus: „Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst. Wir können mehr oder weniger wissen, was du denkst.“
In Deutschland wird der Staat die neue Software quasi durch die Hintertür einführen, ohne öffentliche Diskussion. Dadurch sind Unsicherheiten in der Bevölkerung vorprogrammiert. Eine Persönlichkeitsverletzung ist möglich und die Vorkommnisse in der Vergangenheit haben das bewiesen. Spionieren ist in. Deshalb ist Transparenz so wichtig. Im Zeitalter der NSA-Schnüffler und anderer umstrittener Methoden zur Massenüberwachung wecken neue Technologien Ängste. Durch eine aktive und offene Kommunikation können die verantwortlichen Stellen zur Beruhigung beitragen und Missverständnisse vorbeugen. Besonders wichtig gilt es, die physische wie auch die digitale Identität zu schützen. Es liegt in den Händen der Anwender, dass die Prognose-Software nicht missbraucht wird oder die Daten in falsche Hände geraten oder womöglich falsch interpretiert werden. Ich möchte nicht, dass der Nachrichtendienst oder der Staatsschutz mich im Visier hat, weil ich als Autorin zum Beispiel brisante Themen im Netz recherchiere und besagte Stellen womöglich falsche Schlüsse ziehen. Systeme kann man aber umprogrammieren. Experten können heute alles „einbauen“, nimm die NSA. Die sammelt alles. Was lässt der amerikanische Staat durchgehen und was nicht? Die Politik ist in der Verantwortung. Aus den USA hört man vom Einbezug von Social Media und anderen Datenquellen. „Man“ experimentiert. Der Einsatz von Überwachung mittels Drohnen oder der Einsatz der Mindmachine bei den Gefangenen in Guantanamo ist auch bekannt.



(Astrid Korten mit ihren Fans bei der Frankfurter Buchmesse 2015; ©Astrid Korten)


Sebstian Fitzeks neues Buch handelt ebenfalls von Pre Pol. Ein witziger Zufall. Hast du sein Buch gelesen und falls ja, in welchen Punkten unterscheidet sich euer Buch gewaltig.


Konkurrenz belebt das Geschäft. Sebastians Roman habe ich nur angelesen und soweit ich es beurteilen kann, ist unser einziger Berührungspunkt ein Hauch Predictive Policing. „Eiskalte Verschwörung“ ist ein völlig anderer Thriller, in dem Innenministerium und Kreml, Intrigen und Machtmissbrauch vor dem Hintergrund der digitalen Verbrechensbekämpfung eine große Rolle spielen. Ich verknüpfe die Geschehnisse des 1. Halbjahres 2015 (Überwachungsskandal Bundestag, etc) mit der Geschichte einer Kriminalistendynastie, die im Visier eines psychopathischen Softwarespezialisten gerät. Außerdem wird mit meinem Roman eine neue Serienfigur eingeführt: Alexa Erbach, eine Forensikpsychiaterin, die in vier weiteren Romanen brisante Verbrechen auf der Spur kommt. Das nächste Manuskript ist schon in Arbeit und wird ein spannender Psychothriller.

Deine Protagonistin leidet an Diabetes. Hast du zur Krankheit einen Bezug?
Meine Protagonistin Alexa Erbach ist Forensikpsychiaterin, die ihre Arbeit mit den Insassen sehr liebt. Dabei vergisst sie manchmal auf ihre Gesundheit zu achten. Bei Diabetes sollte man das tunlichst sein lassen. Ich kenne einige Menschen, die an Diabetes Typ I und II leiden. Es ist heimtückische Erkrankung, die unangenehme Folgen haben kann, wenn man sie nicht im Auge behält.

(Die Autorin mit dem Ehepaar Gmeiner beim Gmeiner Verlags Stand bei der Frankfurter Buchmesse 2015; © Astrid Korten)


Im Frühjahr erscheint dann auch einer deiner Dotbooks Thriller als Lizenzausgabe bei Gmeiner. Freust du dich?

Ja, sehr. Ich habe meine Lektorin und das Ehepaar Gmeiner auf der Frankfurter Buchmesse kennengelernt. Sehr sympathische Menschen. Eiskalte Umarmung ist mein erster Psychothriller, der im vergangenen Jahr ein Platz 1 Bestseller war. Ich hoffe, dass ich mit der Printausgabe auch viele Leser erreichen werde.

Ganz bestimmt! Rückblickend, welches deiner Bücher liegt dir am meisten am Herzen?
Schwierige Frage. Ich mag sie alle. Es sind so unterschiedliche Thriller. Sie sind sozusagen wie meine Kinder, die ich alle sehr liebe, obwohl sie so verschieden sind.

Woran arbeitest du zur Zeit?
An verschiedenen Projekten. Es gibt eine Fortsetzung mit Alexa, anders als vermutet und ein richtig cooler Psychothriller – ohne Blutvergießen, aber mit totalem Gänsehautfeeling.

Womit kannst du nur schwer leben?
Wenn meinen Kindern etwas zustoßen würde.

Ich glaube diese Antwort kann jede Mutter nachvollziehen. Was wünscht du dir für die Zukunft?
Mit meiner Agentin interessante Projekte realisieren.

Was ist deine persönliche Meinung zur momentanen Flüchtlingskrise in Europa?
1,5 Millionen Flüchtlinge könnten in diesem Jahr nach Deutschland strömen. Das Land ächzt unter den Belastungen. Die Kanzlerin bleibt bei ihrem „Wir schaffen das“. Aber schaffen wir das wirklich? Angela Merkel verteidigt offensiv ihre Flüchtlingspolitik. Angesichts des anhaltenden Zustroms von Flüchtlingen und Migranten wächst in der deutschen Bevölkerung die Skepsis, ob sich die damit einhergehenden Herausforderungen meistern lassen. Die Zweifel an Merkels Devise „Wir schaffen das“ werden immer lauter und offener geäußert, nicht zuletzt in ihrer eigenen Partei und Koalition. Für die notwendigen geordneten Prozesse braucht Deutschland vor allem in Europa noch mehr Mitstreiter. Einige Länder drücken sich aber noch vor der Verantwortung. Kurzfristig ist meines Erachtens nicht mit einer Bewältigung der Krise zu rechnen. Ich glaube auch, dass es in Deutschland zu absehbaren Veränderungen innerhalb der deutschen Gesellschaft kommen wird, aber dass die Gesellschaft in ihrer Grundausrichtung erhalten bleibt.

Du planst ja einen Jahrhundertroman, wie du mir beim letzten Interview erzählt hast, er soll in zwei Teile gegliedert sein und nach wahren Dokumenten aus den 40er Jahren entstehen. Gibt es diesbezüglich schon etwas Neues? Ist der Roman schon fertig?

Das wird noch etwas dauern. Die Recherche erfordert enorm viel Zeit. Ich nehme mir das Manuskript immer wieder zwischen zwei Projekten vor. Es ist wie „Ich liebe dich“: ein Roman ich, ein Roman Liebe, ein Roman dich, also Fabel, Sujet und Psychologie.



(Wir schenken ein! Mit Astrid Korten am Dotbooks Stand bei der Frankfurter Buchmesse 2014; ©privat)



Hört sich spannend an. Das Jahr geht zu Ende und mit der Adventszeit lässt man das alte Jahr Revue passieren. Welche Eckpunkte fallen dir da ein, gute und schlechte.

Das Jahr begann im Januar mit den Dreharbeiten auf Schloss Hugenpoet zum Buchtrailer „Eiskalter Plan“. Toll. Im März erschien dann der Roman und er wurde ein erfolgreicher Psychothriller. Besondere Lesungen gab es im Rathaus Essen oder in der Rechtsmedizin Köln. Dann habe ich einige sehr nette Drehbuchkollegen kennengelernt, meine Kinderbücher sind unter Dach und Fach, meine Kurzgeschichte Sibirien stand im Finale WMC in LA, mein hochbrisanter Thriller „Eiskalte Verschwörung“ wird als Top-Thriller vom Verlag beworben. Es gibt so vieles, worüber ich mich rückblickend freue. Über zukünftige Projekte will ich noch nichts sagen. Nur so viel: Zum Glück gibt es Glück. Im nächsten Jahr passiert einiges.


(Mit Astrid Korten und Timothy Sonderhüsken am Dotbooks Stand bei den Interview Vorbereitungen, Frankfurter Buchmesse 2014; ©privat)


Wie wird 2016? Hast du Vorsätze? Beziehungsweise was wünscht du dir für 2016?

2016 wird ein wunderbares Schreibjahr, weil ich tolle Projekte in der Pipeline habe. Dann wünsche ich mir eine erfolgreiche Einführung beider Romane, die pünktlich zur Leipziger Buchmesse 2016 erscheinen werden. (März 2016)


(PROST! Mit Astrid Korten bei der Frankfurter Buchmesse 2014 am Dotbooks Stand; ©privat)


Liebe Astrid, vielen Dank für das Gespräch und viel Glück und Erfolg weiterhin mit deinen Büchern und Toi Toi Toi für die nächsten beiden Romane!


Wer mehr über die Autorin und ihre Bücher erfahren will, kann ihre Homepage besuchen:
http://www.astrid-korten.com/

oder ihr auf Facebook folgen: http://www.facebook.com/Astrid.Korten.Autorin
Hier plaudert Astrid Korten noch über Kunst und Musik: http://www.woman.at/mywoman/jbwind/20140112/


Und wenn ihr nichts mehr verpassen wollt, klickt euch doch auf der Facebook-Fan-Seite zu Lies und plausch mit Jenny ein!


Auf meiner Website www.jennifer-b-wind.com findet ihr alle bisherigen Specials aufgelistet.

Demnächst erwarten euch ein wundervoller Liebesroman, Erotik, Krimis und mehr. Und im Dezember gibt es ein Kinder- und Jugendbuch-Special, rechtzeitig vor Weihnachten! Vielen Dank schon vorab an den ARENA Verlag!
Also bleibt dran!

Bis bald bei Lies und plausch!
Eure Jenny