Lies und (p)lausch

Krimi- und Drehbuchautorin Jennifer B. Wind liest, talkt und rezensiert für mywoman.at

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Samstag, 31.10.2015, 18:09

Liebe Leser/innen,

heute verlasse ich die ausgetretenen Pfade des Mainstreams und stelle euch eine österreichische Ausnahmekünstlerin vor und ein Reisebuch der besonderen Art über mein persönliches Lieblingsland Australien.
Beatrix Kramlovsky ist eine österreichische Schriftstellerin und bildende Künstlerin. Ihr neues Buch „Australien – Zwischen Aussteigern und Neuzeitnomaden“ ist im Juni 2015 bei reisebuch.de erschienen. Darin finden sich nicht nur ihre Reiseerlebnisse sondern auch Zeichnungen. Somit wird das Buch zu einem besonderen und einzigartigen Schmuckstück.


Doch bevor ich näher auf das Buch eingehe ein paar Worte zur Person:


(©Beatrix Kramlovsky)

Die Schriftstellerin und bildende Künstlerin Beatrix Kramlovsky ist 1954 in Steyr, OÖ. geboren, studierte in Wien Sprachen und veröffentlichte nebenher Short Storys und Essays in österreichischen und deutschen Zeitungen und Anthologien.
Anfang der Achtziger Jahre begann auch die Ausstellungstätigkeit als bildende Künstlerin. Ein arbeitsbedingter 4-jähriger Aufenthalt in Ostberlin (1987- 1991) führte zu Publikationsverbot in der DDR und intensiver Auseinandersetzung mit Nischenkultur und Arbeiten zum Begriff Freiheit. Illegale Ausstellungen folgten in Dresden, die erste Romanveröffentlichung in Österreich.

In der Erwachsenenbildung international als Literaturvermittlerin tätig, der Schwerpunkt liegt auf Vergleich und Gegenüberstellung von Geschichten, die von Frauen aus unterschiedlichen Kulturregionen weltweit verfasst wurden. Tutorien und Workshops (kreatives Schreiben zu bestimmten Schwerpunkten) an Schulen und ausländischen Universitäten, bisher in Europa, im Vorderen Orient und Mittelamerika tätig.


Zahlreiche Einzelausstellungen im In- und Ausland, Beteiligung und Organisation von interdisziplinären Kunstprojekten. Begeisterte Reisende und überzeugte Europäerin. Die wichtigsten Themen sind Ausgrenzungen unterschiedlichster Art, politische, geographische, gesellschaftliche Limitierungen und der Umgang damit.


Die Autorin ist begeisterte Reisende und Gärtnerin sowie Mitglied mehrerer nationaler und internationaler SchriftstellerInnen- und KünstlerInnenverbände. Von 2009 – 2013 Mitglied des NÖ. Kultursenats
Preise:
1997 Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich für Literatur
2003 Hans-Weigel-Stipendium des Landes Niederösterreich
2006 Artist in Residence in Boswil/Schweiz
2007 Artist in Residence in Paliano/Italien
2008 Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich für Literatur
2004, 2005, 2014 nominiert für den Friedrich Glauser-Preis für die beste Krimikurzgeschichte im deutschen Sprachraum



2015 sind neben Kurzgeschichten und Rezensionen zwei Bücher erschienen.
„Invasion der Wünsche


Rosa will ihrem Leben ein selbstbestimmtes Ende bereiten. Von ihren Ängsten überwältigt hat sie das Gefühl für Familienprobleme und Disharmonien verloren, lässt Freunde und Lieben hinter sich, um in Süditalien, wo ihrer Meinung nach alles begonnen hat, tödlichen Frieden zu finden. Doch auch ihre Enkelin Johanna kann gut mit Geheimnissen umgehen und nutzt sie ungeniert, um die Familie zu retten. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.
(erschienen im Kitab Verlag)


Das zweite Buch ist besagtes Reisebuch, das ich auch gelesen habe.
Hier wie immer meine ganz persönliche Meinung.


(Cover; reisebuch.de)

„Australien – Zwischen Aussteigern und Neuzeitnomaden“

Der Mensch kann nicht zu neuen Ufern vordringen, wenn er nicht den Mut aufbringt, die alten zu verlassen.
(André Gide)

Beatrix Kramlovsky ist eine reiselustige Autorin, was die Leser/innen spätestens seit ihrem Prosaband „Die Erde trägt ein Kleid aus Worten“ wissen.


Aber auch zahlreiche Reise-Essays und Kurzgeschichten, mit denen sie ihre Eindrücke und Erlebnisse aus fremden Ländern niederschreibt und der Öffentlichkeit zugänglich macht, stammen aus der Feder der Autorin.


Mit „Australien – zwischen Aussteigern und Neuzeitnomaden“ liegt nun ein erstes reines Reisebuch vor. In neun Kapiteln erzählt sie interessante Begebenheiten auf ihrem Weg durch den spannenden Kontinent und garniert das Ganze mit zahlreichen Zeichnungen. Das Buch ist nicht wie ein herkömmlicher Reiseführer zu verstehen. Schautafeln, Fotos Wegbeschreibungen und dergleichen findet man hier nicht. Im Gegenteil, Beatrix Kramlovsky lässt die Leser/innen lieber ihre ganz persönlichen Reise miterleben und teilt intime und eindrucksvolle Momente mit ihnen und ist ähnlich wie ein Tagebuch verfasst.

Von Kuala Lumpur aus fliegt sie am 25. Februar, zu einer Zeit in der es in Österreich noch kalt und ungemütlich ist, zusammen mit ihrem Ehemann nach Melbourne, der ersten Station auf der zweimonatigen Reise durch den wohl vielseitigsten Kontinent der Erde.
Melbourne zieht die Autorin sofort in ihren Bann, vor allem die Museen und Ausstellungen faszinieren die sie, die selbst auch als bildende Künstlerin tätig ist, so besucht sie unter anderem die „Bush Art Fashion“ Ausstellung von Linda Jackson, die Aborigine Muster und Formen in Kleider überträgt.


Der zweite Anziehungspunkt für die Autorin sind die botanischen Gärten, die es in Australien zu Hauf gibt, besonders schön sind die Gärten in Melbourne, Sydney und Perth.


Nach Melbourne sind Sydney, Adelaide und Kangaroo Island weitere Stationen, bevor die Autorin Anfang März mit dem Zug nach Alice Springs fährt, von wo aus sie nach Perth fliegt, um dort ihre Reise mit dem Camper zu starten.

Und hier beginnt das eigentliche Abenteuer, weit abseits der ausgetretenen Touristenpfade. Beatrix Kramlovsky entführt die Leser/innen in den Süden nach Denmark, zu den Karri Wäldern und die ganze Küste entlang. Wenige Tage später bricht das Ehepaar in den Norden Westaustraliens auf, wo sie vor allem wieder an der Küste entlang fahren.


In Form von humorvollen und interessanten Anekdoten mit Aussteigern, Immigranten und sogenannten Grey Nomads, bringt sie auf 166 Seiten das für viele noch fremde Land näher, das für Abenteuer berüchtigt ist und liefert unbekannte und unerwartete Einblicke. So macht der Ehemann nachts beim Gang zur Toilette beinahe eine unerfreuliche Bekanntschaft mit einem giftigen Skorpion.

Sensibel und wunderbar erzählt in ihrer gewohnt poetischen Sprache entwickelt das Reisebuch einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Feinfühlig gliedert sie die Erlebnisse mit den Menschen, die sie trifft ein und bringt sie den Leser/innen näher, so dass man die Beweggründe der Einzelpersonen nachvollziehen kann, wenn auch nicht immer verstehen.


Wenn ein Rentner-Ehepaar all ihr Hab und Gut verkauft, um im Wohnwagen kreuz und quer durch das Land zu fahren, erscheint es uns Europäern doch sehr gewagt und riskant. Doch nicht nur an diesem Beispiel lernt man Australien und deren Menschen kennen, die Autorin spricht genauso mit Aussteigern und Teilzeitreisenden, mit denen sie sich sowie die Leser/innen bestimmt noch am besten identifizieren kann. Auch allerlei Naturerlebnisse sowie zahlreiche Tierbegegnungen erfreuen Autorin und Leser/innen gleichermaßen.


Die zauberhaften Illustrationen mit denen alle Kapitel versehen sind, machen Lust auf mehr und lassen das Reisebuch unter allen ähnlichen Büchern hervorstechen.

Fazit: Ein besonderes und sehr lesenswertes Buch für Menschen, die davon träumen, den roten Kontinent einmal zu besuchen, für jene, die schon dort waren und nicht mehr von diesem ursprünglichen und faszinierenden Land loskommen und für alle, die sich lieber vom Sofa aus ins Abenteuer stürzen.


Mein Top-Tipp für den Winter, denn in Australien hat der Sommer bereits begonnen....




Wer gerne mehr über die Autorin und ihr Buch wissen möchte, dem wünsche ich nun im Anschluss viel Spaß beim Lesen des Interviews.

Liebe Beatrix danke, dass du dir Zeit genommen hast, mir ein paar Fragen zu beantworten. Du hast ein Reisebuch geschrieben über deine Erlebnisse in Australien. War das schon vor Reiseantritt dein Ziel, darüber ein Buch zu schreiben?
Ich wusste, dass ich sicher Stoff für Artikel finden würde. Außerdem schreibe ich immer ein Reisetagebuch und führe unterwegs Gesprächsprotokolle. Tatsächlich erschienen dann in der österreichischen „Presse“ und in einem US-Reiseblog Essays, bevor die Anfrage aus Deutschland kam, ob ich einen speziellen Zugang zu einem Buch über Reisen in Australien hätte. Da konnte ich dann auf meine Stoffsammlungen zurückgreifen.



(Am Fuß des Uluru; ©Beatrix Kramlovsky)

Du verreist jedes Jahr ein paar Monate, aber über die anderen Reisen gibt es kein Reisebuch. (Allerdings hast du einmal alle deine Reisen in einem Buch zusammengefasst unter dem Titel „Die Erde trägt ein Kleid aus Worten“) Warum?
Ja, dieses Buch erschien in zwei unterschiedlich dicken Auflagen und die zweite wurde dann auch übersetzt und erschien in den USA als E-Book ohne Zeichnungen und Fotos unter dem Titel „Memoirs of a Vagabond“. Ich brauche viele Aufzeichnungen für Romane und Erzählungen. Da ich mich weniger als Reiseschriftstellerin sehe, sondern als Schriftstellerin unterwegs, liegt mein Augenmerk auf der Menschenbeobachtung, die ich gezielt für Fiktion einsetzen kann.
Essays über Land und Leute gehen immer, aber wenn ich in einem Roman stecke, kann ich nicht gleichzeitig Nonfiction schreiben. Das ist mir zu viel.


Was hat Australien, was andere Länder nicht bieten?

Es fasziniert mit seiner Menschenleere und seinen Farben. Gut, das bietet Nordamerika auch, aber Australien scheint für so viele Europäer ein Sehnsuchtsland zu sein. Ich wollte wissen, warum. Die Gesellschaft wirkt sehr entspannt im Vergleich zu unserer. Außerdem bietet es Wüsten ganz eigener Art, natürlich die Tierwelt und eine ungemein spannende Kunstszene. Wir verstehen sowieso viel zu wenig von den unterschiedlichen Kulturen der Ureinwohner, aber in den letzten Jahrzehnten hat doch ein Dialog, gerade unter Künstlern und Wissenschaftlerinnen, eingesetzt, der auch für andere Kontinente spannend ist.



Könntest du dir vorstellen, in Australien zu leben? Wenn ja, warum? Wenn nein, weshalb nicht?


Vor fünfzehn Jahren gab es Gedankenspiele in diese Richtung. Aber nie echtes Auswandern, sondern ein zeitlich begrenzter Aufenthalt. Ich bin jemand, der für Monate und Jahre aus Europa weggehen kann oder könnte, wenn es die familiäre Situation erlaubt. Aber ich möchte immer wieder zurückkehren.
Australien stand einfach lange auf meiner Wunschliste, weil meine Eltern in den fünfziger Jahren dorthin auswandern wollten und nur durch einen Zufall daran gehindert wurden. Mir hat Vieles dort gefallen, nicht nur in den großen Städten. Die Offenheit der Menschen war bemerkenswert. Was mich immer noch irritiert, ist der fahrlässige Abbau von Bodenschätzen. Mich hat nicht nur die Macht der Bergbaugesellschaften, sondern auch die Ausverkaufsmentalität erschreckt.





(Perth vom botanischen Garten aus; ©Beatrix Kramlovsky)

Denkst du dass du es in diesem Leben noch einmal nach Australien schaffst, oder bist du mit dem Kontinent „fertig“?

Fertig kann man doch nie sein. :-) meine Wunschliste ist sehr lange, und ja, da gäbe es noch Einiges in und rund um Australien, das ich gern in natura erleben, riechen, fühlen möchte. Ich versuche, wenig zu planen, weil ich sowieso ein Workaholic bin. Manchmal ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten – und dann stürze ich mich voller Freude hinein. Wer weiß, was noch kommt.




Was ist dein absolutes Lieblingserlebnis der Reise?
Es gab Mehrere, muss ich mich wirklich entscheiden?
Ich liebte den Karinjini Nationalpark oder Kangaroo Island. Es gab sehr berührende Gespräche mit Fremden in traumhafter Umgebung, das waren einfach Geschenke. Es war wieder dieses Erlebnis von unendlich viel Platz und Raum, das ich schon aus Afrika und Nordamerika kenne, und das für Europäer immer umwerfend ist.




(im Karijini Nationalpark; die Autorin liebt die versteckten Teiche in den Schluchten;
©Beatrix Kramlovsky)

Was war die größte Herausforderung für dich?

Physisch? Nicht aufs Trinken zu vergessen in diesen knochentrockenen Wüsten, die in jenem Jahr teilweise sehr grün aussahen. Und die wirklich notwendige Menge Wasser zu trinken, um nicht in Schwierigkeiten zu kommen.




(Remarkable Stone auf Kangaroo Island; © Beatrix Kramlovsky)

Wieso gibt es in Europa nicht so viele Grey Nomads (Anmerkung der Redaktion: Pensionisten, die im Wohnwagen das Land erkunden). Was denkst du?
Es wird wohl mehrere Gründe dafür geben, aber der wichtigste ist, dass wir harte Winter haben, die ein so problemloses Reisen wie in Australien verhindern, dass wir prinzipiell sesshafter sind, (wir leben auch viel gedrängter auf sehr viel weniger Platz). In Europa gibt es Sprachbarrieren, unterschiedliche soziale Systeme; die Grey Nomads geben ja oft ihre Wohnungen und Häuser auf und leben jahrelang auf der Straße.
Ich habe übrigens im Juni in Süditalien ein Paar aus Sydney getroffen, das einen Europaaufenthalt für mehrere Jahre plante, in der Türkei ein Boot kaufte und nun von Küste zu Küste tuckert, um sich so viel wie möglich anzuschauen. Skandinavien planen sie natürlich in einem Sommer. Allerdings war ihnen nicht klar, wie unterschiedlich die europäischen Bürokratien arbeiten und dass ihr Geld nur für die Hälfte der geplanten Zeit reichen wird. Und sie haben kein Zuhause, wenn sie zurückkehren und dann auch kein Geld mehr für ein Haus. Sie wissen bereits jetzt, dass sie sich sehr, sehr einschränken werden müssen. Ich glaube nicht, dass viele Europäer dieses Risiko fürs Reisen auf sich nehmen würden.



(Sandpiste auf dem Meerenie Loup nordwestlich von Alice Springs; ©Beatrix Kramlovsky)

Was ist der Unterschied in einem Camper zu reisen? Hast du das vorher schon einmal gemacht? Welche Probleme ergeben sich daraus und was sind die Vorteile? Was überwiegt?
Nein, das war das erste Mal! Unser Camper war ja sehr klein und das fand ich eigentlich hauptsächlich komisch. Es machte wirklich viel Spaß, vor allem auch, weil alle Stellplätze so gut eingerichtet sind. Es gibt wenig enge, steile, kurvige Straßen, so wie bei uns. Man fährt meistens Hunderte Kilometer geradeaus, also ist es nicht wirklich anstrengend. Hauptsache, man bleibt wach.
Es stellte sich heraus, dass wir als Paar auch mit sehr, sehr wenig Platz gut auskamen. Das wussten wir natürlich vorher nicht. Aber es war zeitlich begrenzt, da ist sowas immer leicht. Wir waren außerhalb der Hauptsaison unterwegs, also brauchten wir nie befürchten, keinen Campingplatz mit Dusche und Küche zu bekommen. Wir sind beide geübte Rucksackreisende, das erleichtert auch einiges. Fein für mich war auch, wie es mit dem Arbeiten funktionierte. Ich musste in dieser Zeit mehrere Texte termingerecht liefern, wir waren zum ersten Mal als Paar so lange unterwegs, weshalb sich mein Mann darauf einstellen musste, seinen Urlaub mit einer berufstätigen Frau zu verbringen. Das problemlose Campen kam dem entgegen. Das hatte ich mir nicht so schön vorgestellt.



Interessant. Sydney oder Melbourne, welche Stadt hat dich mehr beeindruckt?
Sydney liegt natürlich hinreißend schön. Aber Melbourne war „meine“ Stadt. Eine spannende Mischung von unterschiedlichen Ethnien, eine lebhafte Kunstszene. Dort fühlte ich mich sehr zuhause, es war so offen, so lebendig. Ich hatte das Gefühl, dass man hier schnell heimisch werden darf. Auch wenn das vielleicht trügerisch war. Mir gings halt so.



(Melbourne; ©Beatrix Kramlovsky)

Bei mir ist genau umgekehrt, ich fühle mich in Sydney heimischer als in Melbourne, Sydney lebt irgendwie mehr als Melbourne und die Leute sind meiner Meinung auch offener und toleranter. Melbourne hat ein bisschen britischen etwas konservativeren Charme, also europäischer als Sydney. Das ist jedenfalls mein Eindruck, nach sehr vielen Aufenthalten. Kommen wir zurück zum Buch. Es ist mit Zeichnungen von dir versehen. Hattest du deinen Skizzenblock immer mit?

Ja, ich zeichne immer und überall. Man entdeckt Details dadurch. Und die wenigsten Menschen bemerken, wie sie beobachtet werden, selbst wenn sie gerade entspannt sind und Zeit haben.





(Teepflückerin in Thailand; ©Beatrix Kramlovsky)

Wenn du auswandern müsstest oder dürftest, wohin würde es dich am ehesten ziehen und warum?
Es ist ein Unterschied zwischen müssen und dürfen und ich bin in der privilegierten Lage, mir das Dürfen ausmalen zu können. Wir hatten in den Neunziger Jahren tatsächlich ein Weggehen kurz angedacht. Ostkanada bot damals Künstlern tolle Bedingungen an, die verführerisch waren. Aber unsere damals noch kleinen Kinder hatten gerade nach einer Übersiedlung wieder Anschluss und Freunde gefunden. Es wäre für sie wirklich schrecklich gewesen, einen weiteren Abschied zu nehmen.
Jetzt bin ich über sechzig. Richtiges Auswandern kommt vermutlich nicht mehr in Frage, unterwegs Sein natürlich immer. Ich glaube, Kanada wäre immer noch interessant für mich. Australien ist einfach so weit weg, die Flüge nach Europa ziehen sich wirklich. :-) Ich will nämlich Europa nicht missen. Das ist mir erst in den letzten Jahren so richtig klar geworden.




(Mutter und Kind; ©Beatrix Kramlovsky)

Wie viele Zeichnungen sind während der Reise entstanden?
Viele! Ich habe viele Skizzenblöcke. Und in den Schreibheften kritzle ich auch andauernd. Zuhause gehe ich dann alles durch. Dann entstehen Bilder oder große Grafiken aus Manchem. Aus den Skizzenblöcken zeige ich schon auch Blätter bei Ausstellungen. Ich sehe sie aber hauptsächlich als Ausgangs- und Arbeitsmaterial und als Erinnerungsstützen.



(Karijini Nationalpark; ©Beatrix Kramlovsky)

Hast du direkt während der Reise die Erlebnisse aufgeschrieben, oder nur Notizen gemacht, und erst zu Hause ein Reisetagebuch daraus erstellt?

Ich habe während der Australienreise ca. 150 Seiten Tagebuch geschrieben. Dazu kamen Zettel mit Anmerkungen und Hinweisen. Zuhause habe ich mich dann nach einigen Monaten damit auseinander gesetzt. Denn ein wenig Abstand braucht man ja, um herauszufinden, was wirklich wichtig war und weshalb.




(Finke River bei Helens Gorge; © Beatrix Kramlovsky)

Du zeichnest sehr gern mit Tusche. Was fasziniert dich daran?
Tusche kann man mit feinen Federn, Stiften, dicken Pinseln, mit Fingern und Schwämmen auftragen und in den unterschiedlichsten Schwarz- oder Brauntönen, je nachdem, welche Tusche man gerade bei der Hand hat. Ich liebe den schnellen Strich, ich bin davon gefesselt, die Flüchtigkeit einer Bewegung einzufangen, die Stimmung eines Menschen zu erfassen; das ist schon was Aufregendes. Und das geht mit Stiften und Federn am besten.


Du wurdest bereits dreimal für den Friedrich Glauser Preis nominiert, hast ihn aber nie erhalten. Wäre das noch ein Highlight für dich, diesen Preis einmal in den Händen zu halten? Oder hast du einen ganz anderen Traum?
Ja, der Kurzgeschichten-Glauser! Ich lasse mich überraschen. Die Kurzgeschichte ist eine ganz wunderbare literarische Möglichkeit. Ich höre ja nicht mit dem Schreiben auf, also vielleicht wird’s noch einmal was mit dem Glauser. Da Ausgrenzung und gewaltsamer Tod mit zu meinem Lebensthemen gehören, ist die Nähe zum Krimi ja immer wieder gegeben.





(Coverfoto: ©Kitab Verlag)

Zuletzt sind zwei Romane im Kitab Verlag erschienen und ein Gedichtband. Der letzte Roman „Invasion der Wünsche“ thematisiert das Tabuthema Sterbehilfe. Wie stehst du selbst dazu?
Nicht wirklich Sterbehilfe, sondern Suizid und das Recht darauf, das immer auch im Konflikt mit Verantwortung anderen gegenüber steht. Ich weiß nicht, wie ich mich entscheiden würde, wäre ich in der Lage, entscheiden zu müssen. Ich weiß nur, dass ich mir das Recht darauf nicht nehmen lasse und dass ich es annehmen kann, wenn sich ein Freund oder Familienmitglied für den Suizid entscheidet. Auch wenn mich der Kummer zerreißt: wenn ich nicht helfen kann, steht mir nur zu, die Entscheidung des anderen akzeptieren zu lernen.


Wie wählst du deine Themen aus?
Die Lebensthemen haben mich gefunden: Heimat und Vertreibung, bzw. die Freiheit der Wahl. Das führt direkt zu Abgrenzung und Ausgrenzung aller Art und zum gewaltsamen Tod. Aber es gibt Aspekte, die sich mir alle paar Jahre als besonders interessant eröffnen und die sind dann der spezielle Motor für ein Buch.




(Coverbild: © Europa Verlag Zürich)


Du hast zahlreiche Kurzgeschichten geschrieben. Einige davon wurden auch schon im Ellery Queens Magazine abgedruckt. Deine Reiseprosa „Die Erde trägt ein Kleid aus Worten“ wurde ebenfalls in die englische Sprache übersetzt. Wie fühlt sich das an, als eine der wenigen österreichischen Schriftstellerinnen auch im englischsprachigen Raum gelesen zu werden? Wie ist das Feedback?
Ja, einige Geschichten wurden in mehrere Sprachen übersetzt und das ist jedes Mal eine Freude, auch weil ich dadurch wieder Übersetzerinnen kennen lerne. Wenn es eine Sprache ist, von der ich ein bisschen Ahnung habe, ist es noch viel schöner, weil ich so viel davon profitiere. Manchmal, im Kyrillischen oder in Farsi kann ich es ja nicht einmal lesen, und auf Türkisch verstehe ich gar nichts. Da sind es einfach feine Zeichenansammlungen für mich. Ich habe mittlerweile eine US-Agentin, die eine Krimiserie, die rund um die Welt spielen wird, für mich vertritt. Und ich habe sehr liebe US Kolleginnen und Kollegen durch sie kennen gelernt. Und es ergaben sich zusätzliche Angebote, Essays zur deutschsprachigen Literaturszene zu schreiben, wie z.B. für WLT (World Literature Today). Im Spätherbst oder Winter wird im New Yorker Ellery Queens Mystery Magazine wieder ein Kurzkrimi veröffentlicht, da bekomme ich dann vermehrt von Lesenden Feedback auf Facebook.



(Der Reiseerzählband “Die Erde trägt ein Kleid aus Worten” wurde übersetzt; Cover © The Story Vault)

Du bist auch als Künstlerin tätig wie ich bereits vorher erwähnt habe und machst viele Ausstellungen, auch in der Gruppe. Was machst du eigentlich lieber? Malen oder schreiben?
Ich könnte ohne malen leben. Ohne zeichnen wäre es schon seltsam. Aber ohne schreiben kann ich einfach nicht existieren. Es ist keine Frage des Wollens, sondern ein Müssen.


So geht es vielen Schriftstellern. Du bist eine spät berufene Künstlerin. Wieso hat es so lange gedauert, bis du dem inneren Ruf gefolgt bist?
Nein, spät berufen bin ich eigentlich nicht. Ich habe schon während des Studiums Geschichten, Essays und Lyrik in deutschsprachigen Zeitungen veröffentlicht. Damals konnten sich Tageszeitungen noch ein Feuilleton leisten. Und meine erste Ausstellung war in den frühen Achtzigerjahren. Es gab nur dann eine lange Veröffentlichungs- und Ausstellungspause, als unsere Kinder klein waren und später, als die Alzheimererkrankung meiner Mutter mich speziell forderte.




(©Beatrix Kramlovsky)

Bleibt dir noch genug Zeit für deine Familie und Hobbys. Was machst du, wenn du nicht schreibst, malst, rezensierst, reist oder einen Kurs hältst?

Was ich mache, wenn ich nicht arbeite :-)? Ich bin eine begeisterte Gärtnerin und liebe es, unsere Freunde einzuladen. Außerdem singe ich in einem Chor. Ha! Zeitmanagement ist wirklich eine meiner Stärken!




Sieht so aus. ;-) Liebe Beatrix, vielen Dank für das Gespräch! Ich habe mich sehr gefreut, dich interviewen zu dürfen und wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinen anderen Projekten und allem, was du sonst noch vorhast.

Liebe Leser/innen, wenn ihr mehr über die Autorin wissen wollt und keines ihrer Bücher mehr verpassen wollt, dann folgt ihr doch auf Facebook, oder schaut auf der Website http://www.kramlovsky.at vorbei.




Und wenn ihr nichts mehr verpassen wollt, klickt euch doch auf der Facebook-Fan-Seite zu Lies und plausch mit Jenny ein!


Auf meiner Website www.jennifer-b-wind.com findet ihr alle bisherigen Specials aufgelistet.


Demnächst erwarten euch ein brisanter Thriller, ein wundervoller Liebesroman, Erotik, Krimis und mehr. Und im Dezember gibt es ein Kinder- und Jugendbuch-Special, rechtzeitig vor Weihnachten!
Also bleibt dran!

Bis bald bei Lies und plausch!
Eure Jenny