Lies und (p)lausch

Krimi- und Drehbuchautorin Jennifer B. Wind liest, talkt und rezensiert für mywoman.at

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Dienstag, 19.11.2013, 21:46
Interview mit Andreas Gruber zu „Herzgrab“

Lieber Andreas, danke, dass du dir Zeit nimmst, mir ein paar Fragen zu beantworten. Wie du weißt, bin ich einer deiner ersten Fans, ich freue mich deshalb sehr, dich heute für meine Kolumne interviewen zu dürfen.

Am Montag, den 18.11.2013 habe ich den Leser/innen deinen brandneuen Thriller „Herzgrab“ vorgestellt. Heute werden wir über diesen Roman reden, aber auch über dein Leben als Autor.

Herzgrab
Die Idee zu „Herzgrab“ war angeblich schon geboren, bevor du „Rachesommer“ und „Todesfrist“ geschrieben hattest. Warum hast du diesen Thriller erst jetzt geschrieben?
Der Roman besteht ja aus zwei Handlungssträngen: Elena Gerink ist eine Wiener Privatdetektivin und übernimmt die Suche nach einer vermissten Person – und Peter Gerink, ihr Mann, ist Ermittler beim Wiener Bundeskriminalamt, den ein anderer Fall in die Toskana verschlägt. Natürlich hängen beide Fälle zusammen, aber damals hatte ich diesen zweiten Plot noch nicht entwickelt. Die Story wäre mit Elena Gerink einfach nur linear erzählt worden und hätte für meinen Geschmack zu wenig komplexe Verwicklungen ergeben. Erst nach „Rachesommer“ und „Todesfrist“ ist mir die Idee zu diesem zweiten Handlungsstrang gekommen, womit der Roman dann runder geworden ist.

„Herzgrab“ ist der bislang umfangreichste Roman aus deiner Feder, aber auch der mit den meisten Personen. Wie arbeitest du, um deine Figuren nicht aus den Augen zu verlieren? Führst du Listen?
Zu jeder Person erstelle ich ein kurzes Dossier mit Charaktereigenschaften und einen Lebenslauf. Meistens finde ich auch noch ein passendes Foto im Internet, das ich mir dann an den Monitor klebe. Und was die vielen Personen der italienischen Großfamilie Del Vecchio betrifft, da habe ich Peter Gerink in einem Kapitel einen Stammbaum zeichnen lassen, den es im Buch gibt – damit er sich besser auskennt, die Leser einen besseren Überblick bekommen und schließlich ich mich nicht mit den Figuren verheddere.

Du bist also ein so genannter „Planer“. Lange bevor du deinen Roman schreibst, schreibst du zudem sehr lange Exposés. Ist das nicht zu aufwändig?
Im letzten Drittel von „Herzgrab“ laufen die beiden Handlungsstränge punktgenau zusammen … sozusagen in letzter Sekunde, bevor es zu einem großen Unheil kommt. Würde ich die Szenen, die Kapitelübergänge, die Handlungsfäden und die Informationen, wann der Leser was und wie erfährt, nicht planen, käme ein zufällig zusammengestoppeltes Irgendwas heraus, das vorn und hinten nicht stimmig wäre. Also für mich ist das kein unnötiger Arbeitsaufwand, sondern eine Grundvoraussetzung, damit eine komplexe Handlung funktioniert und der Leser sie als „rund“ empfindet.

Ja, und genaus so ist es. Bei dir bleiben keine offenen Fäden übrig, man geht als Leser befriedigt aus der Lektüre. Andere Autor/innen schreiben Serien, du denkst dir für jeden Roman neue Protagonisten aus. Warum?
Hätte ich immer wieder nur dieselbe Hauptfigur, müsste ich jedes Mal eine neue Handlung so stricken, dass sie zur Figur passt. Ich wäre in Kreativität, Einfallsreichtum und den Locations ziemlich eingeschränkt und viele Ideen ließen sich gar nicht bzw. nur mit sehr arg konstruierten Tricks umsetzen, die den Lesern sauer aufstoßen würden.
Dahingegen kann ich jede neue Idee uneingeschränkt entwerfen, wenn ich auch das dazu passende Figuren-Ensemble entwickle. Diese Art der Arbeit macht mir einfach mehr Spaß als den siebzehnten Fall einer Figur zu schreiben und mich ständig zu wiederholen.

Früher hast du es allerdings mal gemacht. Es gibt zwei Bände mit Peter Hogart, die im FESTA Verlag erschienen sind und die 2014 bei GOLDMANN neu aufgelegt werden.
Das Besondere an den beiden Peter Hogart Fällen ist aber, dass „Schwarze Dame“ in Prag spielt und „Die Engelsmühle“ in Wien, daher hatte ich großen Spielraum, eine jeweils eigenständige Handlung mit neuen Figuren zu entwickeln.

Hast du vor, diese Serie um Band 3 zu erweitern?
Das habe ich. Es gibt ein Konzept für einen Thriller, das den Versicherungsdetektiv Peter Hogart nach Budapest führt. Im Jänner 2014 treffe ich mich mit den Damen und Herren vom Goldmann-Verlag, und da besprechen wir, ob die daran interessiert sind.

Da freu ich mich schon drauf! In „Herzgrab“ geht es um ein besonderes Gemälde. Mir kam dabei sofort ein österreichischer Maler in den Sinn, dessen Namen ich an dieser Stelle nicht verraten werde, da man sonst zuviel über das Buch weiß. Gab dir eines seiner Gemälde eine Art Initialzündung zu deiner Romanidee?
Nein, so war es nicht. Aber ich habe im Zuge der Recherchen eine Ausstellung dieses Malers besucht und auch viele Vernissagen anderer Maler, habe Versteigerungen in Auktionshäusern besucht und mit vielen Leuten aus der Kunstbranche gesprochen.

Magst du grundsätzlich Kunst? Wenn ja, welche Maler bevorzugst du?
Der Maler, dessen Gemälde mich am meisten beeindrucken, ist Gottfried Helnwein. Er ist ein Künstler, vor dem ich größten Respekt habe, nicht nur was sein Handwerk und Können betrifft, sondern auch seine Zivilcourage und Sozialkompetenz. Manfred Deix mag ich noch sehr gerne und Gerhard Haderer – zufällig sind das jetzt drei Österreicher. International gefallen mir am besten die Gemälde von Dalí, weil er eine extreme inspirierende Fantasie hatte, und van Dyck, weil er Porträts malen konnte, die realer waren als die Wirklichkeit.

Du malst selbst auch gern hab ich gehört.
Wenn ich im Sommer Zeit und Ruhe habe, male ich gelegentlich Landschaften mit Acryl auf Keilrahmen. Diese Bilder verschenke ich dann – sofern sie jemand haben möchte, oder sie landen als Tombolapreis bei einem Feuerwehrheurigen.

Na die Gewinner freuen sich dann aber! So ein Gruber wird ja mit den Jahren eine beachtliche Wertsteigerung erfahren. Du bist für akribische Recherchearbeit bekannt. Wie findest du all diese Leute, die du befragst? In einem Artikel hab ich gelesen, dass du für „Todesfrist“ einige Psychotherapeuten abgeklappert hast. Wie war diese Odysee?
Psychotherapeuten abklappern, wie du es nennst, war recht einfach. Ich habe über www.psyonline.at nach Psychotherapeuten im Bezirk Baden in NÖ gesucht, sie angerufen und mir einen Termin für ein kostenloses Erstgespräch ausgemacht. Von Sitzung zu Sitzung wurde ich schlauer und die Fragen wurden detaillierter, bis ich schließlich an einem Punkt angelangt bin, an dem die ersten kritischen Probleme in der Psychotherapie auftauchten, und dann hatte ich meine Handlung für „Todesfrist“.
Anders finde ich Leute, wenn ich beispielsweise E-Mails von Fachleuten erhalte, die mich auf kleine Fehler in meinen Büchern aufmerksam machen. Dann hake ich immer sofort nach, ob ich ihnen auch gleich Szenen aus meinem aktuellen Roman, an dem ich gerade arbeite, schicken darf, um den Inhalt auf Richtigkeit abzuklopfen.
Zu anderen Personen wie Kripoermittler, Staatsanwälte, Ärzte oder Richter nehme ich selbst Kontakt auf, indem ich da vorsichtig anklopfe und frage, ob sie mir wohl einige Spezialfragen beantworten könnten, zu denen ich nichts im Internet finden konnte.

Auch für „Herzgrab“ hast du wieder viel recherchiert. Unter anderem geht es im Roman um eine bestimmte Foltermethode, die sich Casetta nennt. Wird diese Methode wirklich noch angewandt?
In Europa hoffentlich nicht, in Guantanamo leider schon. Man muss dazu sagen, dass diese Methode von den Italienern erfunden wurde, daher verwende ich sie in meinem Roman.

Du beschreibst auch, wie leicht es für einen ausgebildeten Armeearzt wäre, den Lügendetektortest zu umgehen. Ist das wirklich so?
Menschen, die Lügendetektortests erfunden haben, haben auch Methoden erfunden, diese zu umgehen. Das ist so wie mit Viren und Anti-Viren-Programmen. Und zu einer Armeeausbildung, gerade in der ehemaligen DDR, gehörte auch viel psychologische Raffinesse.

Warst du eigentlich beim Zahnarzt, um herauszufinden, wie schwierig es ist, sich seinen eigenen Backenzahn zu zerbeißen?
Nein, aber ich war beim Zahnarzt nachdem ich mir einen eigenen Backenzahn ungewollt zerbissen hatte.

AUTSCH, wie ist das passiert? Warst du da gerade zu sehr in deine Schreibarbeit „verbissen“?
Einmal war es bei einer Geburtstagsfeier die harte Rinde einer Schwarzbrotscheibe, ein anderes Mal eine Nuss abends beim Fernsehen … also keine Arbeits- sondern Freizeitunfälle.

„Herzgrab“ ist der vierte Roman, den ich heuer gelesen habe, in dem Florenz eine wichtige Rolle spielt. Was ist so faszinierend an diesem Ort?
In Florenz fühlt man sich um einige Jahrhunderte zurückversetzt, und ich wollte Peter Gerink und seinen Partner Dino Scatozza, die mit modernen Mitteln arbeiten, in ein veraltetes Ambiente versetzten, um so einerseits etwas mehr Konflikt zu erzeugen und andererseits für etwas Humor zu sorgen.

Der Humor in „Herzgrab“ ist wirklich grandios. Selten musste ich bei einem eigentlich harten Thriller so viel Schmunzeln. Allein diese Szenen im Hotel. Wie kommst du auf deine Pointen?
Danke, aber einen Teil dieser Lorbeeren muss ich gleich weiterreichen, nämlich an meine Testleser. Einige dieser Ideen stammen von meiner Frau und von Schriftstellerkollegen wie Günter Suda oder Veronika A. Grager, die das Manuskript in der Rohfassung lesen und einige zynische Ideen dazu liefern, die ich dann gern verwende.

Das kann ich mir vorstellen. Veronika A. Grager schreibt ja sehr humorvolle Krimis. Aber jetzt reden wir lieber wieder über dich. Warst du eigentlich selbst an allen Schauplätzen, die im Roman vorkommen?
In den Cinque Terre war ich nicht. Eine Reise im Frühjahr dorthin war mit meiner Frau zwar geplant, aber dazu ist es leider nicht gekommen. Stattdessen hat meine Schwiegermutter eine geführte Reise dorthin unternommen, und ich durfte am gemeinsamen Foto-Austausch-Abend der Reisegruppe teilnehmen und den Reiseleiter mit Fragen löchern.

Der hat sich sicher gefreut, findet der sich auch in deiner Danksagung?
Öhöm, auf den habe ich leider vergessen, aber meine Schwiegermutter ist in der Danksagung erwähnt.

Ja, die Schwiegermutter darf man auf keinen Fall vergessen, sonst hängt der Haussegen schief. Was denkst du, wird „Herzgrab“ jemals in Italien erscheinen?
Ich hoffe nicht.

Die Italiener, besonders die italienische Provinzpolizisten, kommen im Roman ja nicht gerade gut weg. Hast du was gegen Italiener? ;-)
In der Danksagung habe ich mich dafür entschuldigt, dass die italienischen Carabinieri und auch das altmodische Flair und Ambiente der Stadt Florenz nicht gut abschneiden. Aber es war aus dramaturgischen Gründen notwendig, um einen spannenden Konflikt für die Handlung zu erzeugen. Ich habe nichts gegen Italien. Allerdings hatte ich einmal einen italienischen Arbeitskollegen im Büro, und da erlebst du schon einige Dinge, die sich gut für einen Roman verwenden lassen.

Deine letzten drei Romane sind länderübergreifend erzählt. Was ist das Interessante daran, viele verschiedene Schauplätze ineinander verweben zu dürfen?
Erstens einmal reizt es mich, beispielsweise einen niederländischen Profiler nach Wien zu schicken, eine Wiener Rechtsanwältin an die Nordsee oder Wiener Ermittler in die Toskana, weil man verschiedene Kulturen und Sitten schön aufeinanderprallen lassen kann. Außerdem finde ich es reizvoll, wenn ein Kripobeamter nicht in der eigenen Stadt ermittelt, die er wie seine Westentasche kennt, sondern mit dem Unbekannten konfrontiert wird. Sobald ich in eine fremde Stadt komme, wie beispielsweise Paris, Prag oder Berlin, stelle ich mir manchmal vor, wie ich es anstellen würde, wenn ich hier und jetzt einen Mordfall zu lösen hätte oder wie ich reagieren würde, wenn meine Frau oder mein Kind entführt worden wäre. gruber schal
Was ich an dir sehr bewundere ist, dass du dich nie verbogen hast, und auch immer zu deinem Namen gestanden bist, egal was du geschrieben hast oder wo du veröffentlicht hast, du warst stets Andreas Gruber. Ich meine damit, dass du nicht wie viele andere Autoren mit dem ersten Verlagsvertrag bei einem großen Publikumsverlag ein Pseudonym verwendet hast, um mit einem Debüt zu glänzen. Meist geht das von den Verlagen aus. Wurde bei dir auch darüber geredet?
Das ist ein Thema, mit dem ich mich lange und ausführlich beschäftigt habe. Natürlich habe ich mir schon oft überlegt, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn ich – wie viele andere Autoren auch – einen abgekürzten Mittelnamen dazu nehmen würde, wie beispielsweise Andreas P. Gruber oder Andreas F. Gruber, aber ich finde das ehrlich gesagt ziemlich dämlich. Die Bücher werden dadurch nicht besser, wenn der Name cooler klingt. Und ein gänzlich anderer Name? Wie würde es wohl klingen, wenn ich unter dem Pseudonym Winston Cock Smith Thriller schreiben würde, und in der Biografie steht dann, dass ich in einem kleinen Dorf südlich von Wien wohne, mit meiner Familie und vier Katzen? Das wäre nicht authentisch. Nein, da bleibe ich lieber bei meinem unspektakulären Namen und hoffe, dass die Leser meine Bücher trotzdem gerne lesen.

Ich bin ja Fan der ersten Stunde, was bedeutet, dass ich auch dein allererstes Buch, das veröffentlicht wurde, „Der fünfte Erzengel“ eine Kurzgeschichtensammlung, die in der Edition Medusenblut erschienen ist besitze. Davon gibt es nur 200 Stück und soweit ich weiß, musstest du die Hälfte selbst abnehmen.
Das ist fast richtig. Aber ich musste nicht die Hälfte abnehmen, sondern ich habe es aus freien Stücken getan. Boris Kochs Verlag Medusenblut saß damals noch in München, und Boris hat 100 Stück in Deutschland und ich die anderen 100 Stück in Österreich verkauft, unter Freunden, Verwandten und bei Lesungen. Ich glaube, das würde jeder so machen, der sein erstes Buch herausbringt, dass er stolz wie Oskar eine größere Menge nimmt und die unter seinen Bekannten verkauft oder verschenkt. Zumal damals noch ein düsteres Gemälde der Berndorfer Kirche das Cover zierte. Mittlerweile ist das Buch ja in einer überarbeiteten Neuauflage im Berliner Shayol Verlag erschienen, mit einem Vorwort, das mir großen Spaß gemacht hat.

Wenn dir damals jemand gesagt hätte, deine Romane erscheinen sicher einmal bei Random House, was hättest du demjenigen gesagt?
Träum weiter!

Tja, und jetzt ist der Traum tatsächlich wahr geworden. Ich glaube, dein Erfolgsrezept ist vor allem dein unglaublicher Fleiß und die Ausdauer mit der du Projekte verfolgst. Du hast mit Kurzgeschichten begonnen, rätst deinen Schreibschülern auch mit dieser Form anzufangen, nach wie vorschreibst du selbst gern Kurzgeschichten. Was ist für dich der Reiz daran?
Wenn ich an einem Roman arbeite, brauche ich zumindest drei – wie ich hoffe – gute Ideen, die ich miteinander verknüpfe. In einer Datei, in der ich sämtliche Ideen und Einfälle zusammenschreibe, sind mittlerweile über 200 Ideen gesammelt, und es kommen ständig neue dazu … zu viel, um sie jemals in Romanen zu verarbeiten. Die Kurzgeschichte ist für mich eine willkommene Gelegenheit, einen Teil davon zwischendurch immer wieder zu verwenden und – wenn auch nur in kleinem Rahmen – in Anthologien diverser Kleinverlage zu veröffentlichen. Außerdem macht es mir Spaß – gerade in der Kurzgeschichte – Genres wie Horror, Thriller oder Phantastik miteinander zu verknüpfen; also Genre-Experimente einzugehen, die Großverlage meiden wie Vampire eine Knoblauchzehe.

Bleiben wir gleich beim Thema. Du hast mit Horror- und Phantastikgeschichten begonnen, eine Fangemeinde aufgebaut und zahlreiche Preise erhalten: Dein Roman DER JUDAS-SCHREIN erhielt 2006 den Deutschen Phantastik Preis in der Kategorie »Bestes Roman Debut«. 2008 erschien dann der Roman DAS EULENTOR, der beim Vincent Preis in der Kategorie »Bester Horror-Roman« den 1. Platz erreichte. Den Vincent Preis hast du insgesamt 3 Mal erhalten, ebenfalls dreimal den deutschen Phantastikpreis und zahlreiche zweite, dritte und vierte Plätze. Wird es irgendwann von dir wieder einen Roman in dieser Richtung geben, oder bleibst du jetzt fix im Thriller und Krimibereich?
Wie schon oben erwähnt werde ich Horror- und Phantastik-Ideen in Kurzgeschichten als Anthologiebeiträge verarbeiten und dann, zu gegebener Zeit, mal wieder eine Storysammlung mit gesammelten Erzählungen rausbringen, wie zuletzt „Ghost Writer“ mit zwanzig Erzählungen. Aber Horrorromane werde ich keine mehr schreiben, die würden mich ein Jahr lang Arbeit kosten, und dafür habe ich zu viele Thriller-Ideen, die ich in Romanen verarbeiten möchte.

Hier stehen Nominierungen und Preise allerdings noch aus, was ich persönlich überhaupt nicht verstehen kann. Was könnte deiner Meinung nach der Grund sein? Denkst du, schiebt man dich insgeheim immer noch in das Horror/Phantastik Genre ab?
Das glaube ich nicht, aber allein in Österreich gibt es 110 Autoren, die Mitglied bei den Krimiautoren sind, und in Deutschland sind etwa 800 aktive Autoren Mitglieder im Syndikat. Da kannst du dir die Chancen auf eine Nominierung selbst ausrechnen. Noch dazu, wenn solche Größen wie Charlotte Link, Rita Falk, Sebastian Fitzek, Wulf Dorn, Arno Stobel oder Nele Neuhaus ständig verdammt gute Romane veröffentlichen. Außerdem geht es mir beim Thriller-Schreiben ja nicht in erster Linie darum, einen Preis zu gewinnen, sondern die Leser zu unterhalten.

Egal ob Preise oder nicht, der Erfolg gibt dir recht. „Rachesommer“ wurde bereits mehrfach übersetzt und ins Ausland verkauft, unter anderem nach Japan. Du warst zur Buchpräsentation in Tokio. Erzähl mal. Wie war das?
Boah – wo soll ich anfangen? Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber im Vergleich zu Manhattan oder Paris ist Tokio eine unspektakuläre Stadt. Es sind vier ehemalige Städte zu einer Megastadt zusammengewachsen, die zwar nicht extrem in die Höhe ragt, sich aber flächenmäßig weit ausbreitet. Die einzelnen Stadtzentren, es gibt vier davon, sind also ganz normal. Beeindruckend dahingegen sind jedoch die Tempelanlagen außerhalb der Stadt, die man in ein bis zwei Stunden mit der Bahn erreichen kann.
Was noch sehr beeindruckend ist, sind die Menschen in Tokio. Die sind so diszipliniert. Das beginnt damit, dass Autos in der Stadt maximal 40 km/h fahren dürfen und sich jeder daran hält. Kaum betrittst du als Fußgänger die Straße, hält jedes Auto an. In Wien dahingegen gerätst du unter die Räder. In der U-Bahn ist Handyverbot – in Wien hingegen hörst du in der Schnellbahn gleichzeitig zehn Gesprächen zu. Die Japaner sind so freundlich und wenn du jemandem nach den Weg fragst, nimmt er sich die Zeit, dich hinzubringen. Die Esskultur in Japan ist absolut faszinierend, auch wenn ich es nur vierzig Minuten geschafft habe, im Schneidersitz zu sitzen, bevor meine Knie zu schmerzen begannen. Und das Unglaublichste ist: Die Japaner kennen Mozart, Sissi, Do&Co, Wolf Haas, Kommissar Rex, die Wiener Oper, den Graben und Kaffeehäuser in Wien, von denen ich noch nie gehört habe.

Du hattest dort auch eine Lesung. Wie kann man sich das vorstellen? Hast du auf Japanisch gelesen?
Natürlich. Ich spreche fließend Japanisch, wusstest du das nicht?

Das ist mir neu!
(lacht)Nein, natürlich nicht. Ich habe eine kurze Passage auf Deutsch gelesen, und der Übersetzer des Romans, Professor Shinichi Sakayori, hat dieselbe Stelle auf Japanisch vorgetragen. Bei der Buchpräsentation in der Deutsch-Japanischen-Gesellschaft waren beispielsweise etwa 110 Besucher anwesend, die Hälfte davon sprach Deutsch. Während meiner Lesung hat die eine Hälfte des Saals geschmunzelt, und bei Professor Sakayoris Part die andere Hälfte. Aber die Lesung war insgesamt sehr kurz, weil die Japaner die Philosophie vertreten, dass sie ein Buch sowieso selbst lesen können. Die waren mehr am Leben des Autors, der Arbeitsweise, den privaten Hintergründen und generell an der österreichischen Kunst und Kultur interessiert, weshalb sich eine Publikumsdiskussion ergab, die Professor Sakayori gut moderiert hat.

„Todesfrist“ wurde ins Französische übersetzt. Hattest du in Frankreich schon eine Buchpräsentation? Und warum haben die Franzosen „Rachesommer“ nicht genommen?
Ich war zwar schon mal in Paris, aber nur privat. Meine Frau reist sehr gerne, und da komme ich nicht drum herum, mit ihr durch die Welt zu pilgern. Warum die Edition L'Archipel nur „Todesfrist“ gekauft hat, kann ich dir aber nicht beantworten, offensichtlich wollten sie kein Risiko eingehen und haben vorerst nur mal einen Titel gekauft und sich für den aktuelleren entschieden.

„Rachesommer“ und „Todesfrist“ sind immer zuerst als Hardcover beim Club erschienen. „Herzgrab“ hingegen erscheint gleich bei Goldmann. Wieso?
„Rachesommer“ und „Todesfrist“ sind bei Bertelsmann und Donauland als Club-Premiere erschienen, d.h. sie wurden als Hardcover veröffentlicht, neun Monate bevor das Buch offiziell im Buchhandel erschienen ist. Leider hat der Club diese Premiere-Reihe eingestellt, und Goldmann hat die Erstrechte von „Herzgrab“ gekauft. Mit etwas Glück erscheint „Herzgrab“ aber auch im Club, diesmal aber als Nebenrecht.

Wenn du mir jetzt so gegenüber sitzt, kann ich mir kaum vorstellen, dass du mal lange Haare gehabt, enge Hosen und Lederjacke getragen hast und sogar ein Flinserl dein Ohr zierte. Wolltest du ursprünglich Rockstar werden?
Nein, ich war eben nur anders als meine Mitschüler, die Popmusik in der Disco hörten, Mofa fuhren, Miami Vice schauten und Bravo gelesen haben. Ich habe AC/DC gehört, war mit dem Fahrrad unterwegs, habe die Munsters und Mit Schirm, Charme und Melone im Fernsehen gesehen, John Sinclair Heftromane und Stephen King gelesen.

Du liebst Hardrock und brauchst vor allem auf langen Autofahrten diese Musik. Was fasziniert dich daran?
An dieser Stelle möchte ich Mille Petrozza zitieren, den Sänger und Gitarrist der deutschen Thrash-Metal Band Kreator, der gesagt hat: „Bands, die sich der härteren Spielart des Metal verschrieben haben, sind einfach immer spannender als die üblichen, dreieinhalb Minuten langen Songs im Radio.“
Die Bandbreite dieser Musikrichtung reicht von Rock über Crossover, Punk, Industrial, Power Metal, Stoner Rock, Doom Metal, Speed und Thrash Metal bis zu Hardcore und Metalcore. Das ist einfach so abwechslungsreich, dass es viel mehr zu entdecken gibt als bei langweiligen Boygroups, die gecastet wurden und ihre Songs zum Teil nicht mal selbst schreiben.

Da muss ich dir zustimmen. Du spielst Gitarre und Schlagzeug und man trifft dich in Karaoke-Bars, wo du dir die Seele aus dem Leib singst. Aber du stehst ja grundsätzlich auf Extremsport ;-). Du gehst unter anderem Rafting und Quad-Fahren. Brauchst du den Thrill?
Extremsport ist übertrieben. Beispielsweise habe ich tierische Angst vor Bungeejumping, das würde ich mich nie trauen. Aber ich probiere gerne Neues aus. Kürzlich war ich Bogenschießen, und zwar intuitives Bogenschießen auf 3D-Figuren in einem Parcours im Wald. Am Abend hatte ich zwar eine krasse Nackenverspannung, aber es hat mir Spaß gemacht.
Und was den Thrill betrifft … den hole ich mir, wenn ich in einer Karaoke-Bar auf der Bühne stehe, den Einsatz verpasse und keinen Ton treffe. Ich muss dann immer selbst über mich lachen – aber das macht mir unheimlich großen Spaß.

Gibt es dann überhaupt etwas, wovor du Angst hast.
Ja, vor einer vernichtenden Buchkritik.

Das wird dir hoffentlich nie passieren, aber das ist auch sicher die größte Angst aller Autor/innen. Apropos, welche Kollegen deines Genres bewunderst du? Gibt es einen Autor, dem du in deinen Anfängen beim Schreiben nachgeeifert hast?
Ich bewundere Sebastian Fitzek für seine genialen Ideen, Charlotte Link für ihre großartigen Charakterzeichnungen, Malte S. Sembten für seine Sprachgewalt, Wolf Haas für seinen Humor, Nikolai von Michalewsky für seine Themenvielfalt, Harry Rowohlt für seine großartigen zynischen Bemerkungen, Käthe Reicheis, Christine Nöstlinger, Marlen Haushofer, Otfried Preußler und Cornelia Funke für ihre schönen Bilder, die sie in meinem Kopf erzeugen.
Wenn ich nur einem davon in einer Hinsicht nacheifern könnte, wäre ich schon glücklich.

Wobei in meinen Augen ist Sebastian Fitzek kein gewöhnlicher Autor, sondern ein Naturphänomen. Er macht keine Lesungen sondern Events. Fitzek ist der geborene Entertainer! Warst du mal bei einer seiner Lesungen?
Leider nicht. Während er mit einer Buchpräsentation in Wien war, war ich auf Lesereise in Deutschland. Aber ich habe ihn einmal in München persönlich kennen gelernt, da wir bei derselben Literatur-Agentur unter Vertrag stehen. Er ist sehr ruhig, nett und bescheiden, was ich sehr an ihm schätze.

Das sagen alle über ihn, also wird es schon stimmen. Er ist ja Waage im Sternzeichen und ich kenn nur sehr nette Waagen. Aber heute geht’s ja um dich. Wie geht’s dir eigentlich, wenn du auf der Bühne stehst und Lesungen machst? Hast du Lampenfieber oder genießt du den Kontakt mit dem Publikum?
Ich habe nur Lampenfieber, wenn ich freie Passagen spreche, dann allerdings heftig. Sobald ich den Text lese und wie ein Schauspieler in die Handlung eintauche ist das Lampenfieber wie weggezaubert. Ich weiß aber nicht, warum.

Von wem hast du am meisten gelernt? Oder bist du eher ein Autodidakt?
Autodidakt bin ich nur in der Hinsicht, dass ich immer noch regelmäßig Schreibbücher lese, beispielsweise von Mary Higgins Clark, Patricia Highsmith, Joyce Carol Oates, Sol Stein, Larry Beinhart oder James N. Frey, und versuche, ihre Ratschläge umzusetzen.
Gelernt habe ich viel von Boris Koch, Malte S. Sembten, dem leider verstorbenen Ekkehard Reddlin, die meine ersten Lektoren waren, von dem Perry Rhodan Chefredakteur Klaus N. Frick und dem Bestsellerautor Andreas Eschbach, deren Schreib-Workshops ich besucht habe. Die Liste ist noch verdammt lang und man kann sie in den Danksagungen meiner Kurzgeschichtenbände nachlesen.

Du hat eigentlich ein ausgefülltes Leben. Was wäre dein größter Wunsch oder Traum?
Darf ich zwei nennen? Mindestens neunzig Jahre alt werden, und mal ins Kino zu gehen und im Vorspann zu lesen „basierend auf einer Romanidee von Andreas Gruber.“

Dann drück ich dir die Daumen, dass beide Träume in Erfüllung gehen! Gibt es sonst noch etwas, das du unbedingt noch in deinem Leben erreichen willst? Oder etwas, das du mal ausprobieren möchtest?
Meine Frau und ich unterstützen ja schon seit vielen Jahren finanziell das Badener Tierheim, von wo wir unsere Katzen haben, und wir wollen einmal das Gut Aiderbichl besuchen, wo Tiere aus Legebatterien und Tiertransporten ein neues Heim für ihre alten Tage finden. Meine Frau und ich spielen mit dem Gedanken, im Ruhestand selbst eine Tierpension für Hunde und Katzen zu betreiben.

Deine Frau unterstützt dich in allem, was du tust. War sie von Anfang an von deiner Idee zu schreiben begeistert?
Bekanntlich steht hinter jedem erfolgreichen Mann eine Frau, die ihn am Erfolg hindert. Nein, das war nur ein Spaß. Meine Frau hat mich von Anfang an unterstützt, war meine erste Testleserin, daher sind ihr meine ersten vier Bücher gewidmet. Diese kryptische Widmung „für A.H. – meinen wise reader“ – das ist sie. Von der Idee, dass ich meinen Vollzeitjob im Büro auf 25 Stunden reduziere, war sie anfangs zwar nicht so begeistert, aber ich habe ihr versprochen, sollte mein Plan, Autor zu werden nicht aufgehen, würde ich wieder einen Vollzeitjob im Büro annehmen. Zum Glück musste ich aber auf diesen Plan-B nie zurückgreifen.

Du arbeitest aber nach wie vor 25 Stunden im Büro eines Pharamkonzerns. Denkst du ans Aufhören? Könntest du schon vom Schreiben leben?
Seit Oktober 2013 arbeite ich übrigens nur noch 15 Wochenstunden im Büro. Mein Chef hat mir dankenswerter Weise die Möglichkeit gegeben, weiter zu reduzieren. Ja, möglicherweise könnte ich jetzt schon vom Schreiben leben, aber ich traue mich noch nicht. Ich möchte erst abwarten, wie sich die nächsten Romane 2014 verkaufen, ob ich überhaupt Verträge für meine Romanideen für 2015 und 2016 erhalte, und dann schön langsam ohne zu hudeln, wie der Wiener sagt, in die Vollzeit-Schriftstellerei gleiten. Schließlich muss ja etwas Geld für unsere Tierpension beiseitegelegt werden.

Was denkst du? Wofür lebst du?
Ich muss das tun, was mir mein Bauchgefühl sagt. Und wahrscheinlich bin ich deshalb auf dieser Welt, weil ich zwei Söhne habe, Katzen vor dem Tierheim retten und Bücher schreiben muss.

In Herzgrab gibt es einen toten Esel, der die ganze Zeit nicht weggeschafft wird. Fürchtest du dich nicht vor Drohbriefen von Tierschützern?
Im Gegenteil. Tierschützer und Leute, die sich für Missbrauchsopfer einsetzen, sind mir die liebsten Menschen! Erinnere dich doch, was Elena Gerink in „Herzgrab“ über die beiden kupierten Dobermänner Edgar und Wallace denkt und sagt. Da müssten mir doch die Sympathien jedes Tierschützers zufliegen, oder?

Da hast du allerdings recht. Und nach diesem Interview werden dir die Herzen aller Tierliehaber und Tierschützer ohnehin zufliegen. Was würdest du denn tun, wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest?
Falls das ein Samstag wäre, würde ich mit dem Staubsauger das Haus saugen müssen und den Geschirrspüler einschalten. Aber im Ernst – eine ehrliche Antwort wäre wohl: Wahrscheinlich würde ich diesen Tag mit bürokratischem Geplänkel verbringen.
Hätte ich allerdings noch eine Woche Zeit, dann würde ich mit meiner Frau ans Meer fahren, abends den Sonnenuntergang genießen, alles loslassen, die Seele baumeln lassen und noch einmal „Professor, du siehst Gespenster“ von Käthe Recheis und „Der alte Mann und das Meer“ von Hemingway lesen.

Hast du irgendwann einmal daran gedacht, alles stehen und liegen zu lassen?
Du meinst wie ein Aussteiger, der nach Griechenland geht und eine Bar am Strand eröffnet? Nein, so etwas kann ich nicht. Ich bin eine typische Jungfrau, die ein geordnetes Leben führt und nur in seltenen Fällen verrückte und spontane Dinge tut. Aber manchmal, wenn mir der Kragen platzt, war ich schon knapp davor, meinen Job zu kündigen frei nach dem Motto „Hinter mir die Sintflut“, aber dazu ist es dann doch nie gekommen. Allerdings habe ich schon rigoros einige Freundschaften zu Menschen gekündigt, die mich enttäuscht haben. Die Zeit ist einfach zu kostbar, um sie – entschuldige bitte den Ausdruck – zu verscheißen.

Du hast einen irrsinnig guten, oft schwarzen Humor, der auch in deinen Büchern und Geschichten immer durchblitzt. Lachst du gern? Und wenn ja über was oder wen?
Sich selbst zu beschreiben, ist immer eine schwierige Aufgabe, aber ich glaube, dass ich ein sehr zynischer, sarkastischer aber humorvoller Mensch bin. Ich liebe jiddische Witze, könnte mich über die TV-Serie Monk und die Louis de Funès und Stan Laurel und Oliver Hardy Filme totlachen, mag Monty Python, Per Anhalter durch die Galaxis und den schrägen Humor von Quentin Tarantino … und ich lache gern über mich selbst, wenn ich mich unbeabsichtigt mal selbst zum Narren gemacht habe.

Kannst du mir schon einen Ausblick auf das nächste Buch geben?
Es ist wieder ein Thriller, und zwar die Fortsetzung von „Todesfrist“. Am Ende von „Todesfrist“ wird ja angedeutet, dass die junge Münchner Kripoermittlerin Sabine Nemez nach Wiesbaden zur Akademie für hochbegabten Nachwuchs des Bundeskriminalamts kommen könnte. Das tut sie – und dort wird sie von dem niederländischen Profiler Maarten S. Sneijder unter die Fittiche genommen. Klar stolpern die beiden wieder in einen Kriminalfall, der diesmal noch komplexer wird.

Was werden wir von dir am Freitag lesen, sehen, hören? Oder willst du die Leser/innen überraschen?
Ich möchte ein paar Fotos und Videos von unseren Katzen präsentieren. Ein Video ist zwar ziemlich peinlich, weil ich selbst darauf zu sehen bin, aber dafür ist die Katze umso süßer.

Das wird die Leserinnen sicher freuen.
Und dann möchte ich noch meinen Sohn Michael vorstellen, der neben seinem Publizistik-Studium hobbymäßig als Fotograf arbeitet und Shootings mit Foto-Models veranstaltet.

Das klingt alles sehr interessant, Ich freue mich schon darauf!



Die Leser/innen sind jetzt sicher schon sehr gespannt auf dein Buch. Heute Mittwoch findet die Buchpräsentation von „Herzgrab“ statt, um 19.00 Uhr, bei Thalia Wien Mitte, Landstraße 2. Du wirst aus dem Buch lesen und selbstverständlich die dort gekauften oder mitgebrachten Exemplare signieren! Wirst du dich nach der Lesung noch ein bisschen unters Volk mischen?

Sowieso, das mache ich immer, solange bis mich die Thalia-Mitarbeiter aus der Buchhandlung werfen.

Wann wird es die nächste Lesung geben, für all jene, die heute keine Zeit haben?
Am Tag darauf, das ist Donnerstag, der 21. November um 19.00 Uhr. Da lese ich im Gasthaus Steyrer, in Grillenberg, meinem Heimatort im Bezirk Baden. Als Zugabe lese ich noch eine ziemlich heftige Kurzgeschichte. Aber man sollte schon allein wegen des guten Essens einmal zur Steyrer Herta nach Grillenberg kommen.

Dann wünsch ich dir vorab schon mal „Guten Appetit“ und volles Haus bei beiden Lesungen!
Vielen Dank Andreas für das spannende Interview.

Der Goldmann Verlag war zudem so freundlich mir drei Exemplare zur Verfügung zu stellen, die ihr euch verdienen könnt.

Am Samstag wird es ein „Gruber-Quiz“ geben. Wer die ganze Woche dabei war und mitgelesen hat, wird die Fragen sicher leicht beantworten können. Die ersten drei, die alle Fragen richtig haben, erhalten ein druckfrisches Exemplar von „Herzgrab“!

Wer noch mehr über Andreas Gruber erfahren möchte, findet auf seiner Homepage alles Wissenswerte über ihn und seine Bücher: www.agruber.com

Ich wünsch euch einen schönen Tag! Danke, dass ihr hier wart.

Bis morgen bei Lies und plausch!
Eure Jenny